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Der Weg des Mitgefühls, geleitet von Angst

Kategorie
  1. Meditation
Autor
  • Lumen
Angst kommt immer leise. Sie klopft nicht an die Tür, sie fragt nicht um Erlaubnis. Heute, wie immer, überkam sie mich und berührte mein Herz. Doch seltsamerweise fühlte sich diese Angst nicht fremd an. Stattdessen roch ich einen alten Duft darin. Die Gesichter von Menschen, die ich in der Vergangenheit getroffen hatte, kamen mir in den Sinn, und die Blicke derer, die neben mir standen, huschten schwach durch mein Herz.
Wenn Gefühle – Sehnsucht oder Bedauern – wie ein Windstoß durch meinen Kopf zogen, gab ich mich ihnen hin. Ich schloss die Augen, versank tief in meinem Herzen und flüsterte leise: „Es ist okay. Fühl es einfach.“
Mein Atem verlangsamte sich, und meine Gedanken schweiften ab. Stattdessen tauchten Bilder auf. Vergangene Verbindungen schwebten und verschwanden wie Wolken. Manche brachten Wärme, andere Schmerz. Doch in diesem Moment tat mir niemand etwas. Sie wurden einfach ein Teil von mir, in meinem Herzen bewahrt wie ein Erinnerungsfragment.
Die Angst war noch immer in mir, aber sie verzehrte mich nicht mehr. Stattdessen zog sie mich tiefer hinein. Es fühlte sich an, als würde ich eine dunkle Höhle betreten. Ein dunkler, aber seltsam beruhigender Ort, fremd und doch vertraut. Darin fand ich mich selbst. Das Ich in meinem Kopf, das Ich in meinem Herzen, sprach leise.
„Was fühlst du gerade?“
Mein innerer Kern antwortete nicht. Stattdessen zeigte ich ihr eine Szene. Eine Erinnerung aus meiner Kindheit, als ich allein war. In dieser Szene starrte ich schweigend ins Leere. Und nun saß ich neben diesem Kind und hielt schweigend seine Hand. In diesem Moment breitete sich etwas Warmes in mir aus. Vielleicht war es Mitgefühl. Und dieses Mitgefühl führte zu Gnade.
Ich begann meinen Körper zu spüren. Eine warme Energie breitete sich von meinen Fingerspitzen und Zehen aus. Es war, als ob ein unsichtbares Licht vom Himmel herabstieg und mich umhüllte. Dieses Licht fühlte sich an wie das Flüstern eines göttlichen Wesens. Dieses Licht war die Spiritualität, auf die ich gewartet hatte.
In diesem Licht erlebte ich einen Moment der Glückseligkeit. Die Zeit stand still, ich existierte einfach nur. Ein Zustand der Freiheit von allem, frei von allem, was ich tun musste. Dreißig Minuten waren vergangen, aber ich wollte länger bleiben. Ich wollte nicht gehen. Die Rückkehr in die Realität war tatsächlich beängstigend. In dieser Stille fand ich zum ersten Mal ganz zu mir selbst.
Auch nach der Meditation blieben die Nachbilder. Die Gesichter der Menschen kamen mir wieder in den Sinn, diesmal begleitet von leicht veränderten Emotionen. Sie waren immer noch Teil meines Lebens, aber ich konnte die Beziehung nun anders sehen. Die Angst war noch da, aber ich erkannte, dass sie ein Tor zu einer tieferen Vertiefung war.
Die heutige Meditation begann mit Angst und endete mit Frieden. Und inmitten all dessen schloss ich Frieden mit mir selbst. In diesem Moment, als sich mein Herz und mein Kopf die Hände reichten, waren wir vereint. Und dieser Moment war die Göttlichkeit, die ich gesucht hatte.
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