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Erinnerungen in mir, Gesichter anderer

Kategorie
  1. Meditation
Autor
  • Lumen
Mehrere Tage lang berührten mich selbst die kleinsten Dinge tief. Jedes Wort, jeder Ausdruck und jede kleine Handlung, die ich normalerweise übersehen hätte, drang tief in mich ein. Ich spürte die Emotionen der Menschen, als würden sie in mir aufwallen, wie Wellen, die über mich hereinbrachen und meinen Alltag erschütterten.
Es gab viele Momente, in denen es mir so vorkam, als würde mir das Herz brechen. Ein einziges Wort, ein Ton von irgendwoher, eine plötzliche Erinnerung – all das ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen, einen stechenden Schmerz. Einmal in mir angekommen, ließ die Welle nicht so schnell nach. Ich musste lange Zeit schweigend dasitzen oder einfach nur Luft holen und warten, bis sich mein Geist beruhigt hatte. Selbst in den Momenten, in denen ich endlich wieder zu Atem kam, fürchtete ich, eine neue Welle der Gefühle würde über mich hereinbrechen.
Plötzlich fragte ich mich, ob diese Gefühle wirklich von anderen stammten. Sie schienen von anderen Menschen zu kommen, aber vielleicht gab es in mir einen Raum, der es mir erlaubte, sie zu akzeptieren, und deshalb war ich so erschüttert. Wenn ich darüber nachdachte, schien es, als würde alles auf ein Problem in mir zurückgehen. Die Emotionen anderer waren ein Spiegel. Was sich in diesem Spiegel widerspiegelte, waren meine Wunden und Erinnerungen, vergessen und fremd.
Diese Erinnerungen lagen lange zurück. Auch wenn mir die unmittelbaren Szenen nicht in den Sinn kamen, erinnerte mich mein Herz deutlich an etwas. Die Einsamkeit meiner Kindheit, das Gefühl, von den Worten der Erwachsenen unterdrückt zu werden, die Momente, in denen ich mich nach Liebe sehnte, tauchten vage als körperliche Reaktionen wieder auf. Ich spürte vage, dass es Erinnerungen an meinen Körper waren, Nachbilder von Emotionen, die sich in mein Unterbewusstsein eingebrannt hatten.
Diese Erkenntnis war erschreckend und beunruhigend zugleich. Ich hatte Angst, mich den in mir aufsteigenden Emotionen zu stellen. Sie waren so intensiv und roh, dass ich das Gefühl hatte, sie würden mich erdrücken. Gleichzeitig wusste ich, dass ich sie nicht ignorieren konnte. Wenn dieser Schmerz wirklich innerlich war, konnte ich nicht länger anderen die Schuld geben. Ich fühlte mich verantwortlich. Mir wurde klar, dass letztendlich nur ich mich selbst heilen konnte.
Also begann ich eine stille, kleine Meditation. Jedes Mal, wenn ein Gefühl aufkam, atmete ich tief ein und ließ es von meinem Kopf zum Herzen und dann durch meinen ganzen Körper fließen. Ich verdrängte es nicht, sondern akzeptierte es und ließ es fließen. Es war, als würde mein innerstes Selbst, mein Herz, diese Erinnerungen annehmen und trösten.
Eines Tages, während der Meditation, überkam mich eine starke Gefühlswelle. Keine Tränen flossen, aber meine Brust zog sich zusammen, und ich verspürte ein Würgegefühl. In diesem Moment stellte ich mir eine Liebkosung vor. Licht fiel von oben herab und durchdrang meinen Körper. Das Licht war warm, und ich hatte das Gefühl, als umarme es etwas, das ich vergessen hatte. Ich spürte, es war die Berührung meiner Spiritualität, meiner Seele. Das Gefühl, wie mein Körper, mein Subjekt und mein Geist in mir eins wurden, schenkte mir unbeschreiblichen Frieden.
Obwohl ich mich immer noch oft von den Gefühlen anderer beeinflussen lasse, bin ich nicht mehr so ​​hilflos wie früher. Mir ist klar geworden, dass die Gefühle anderer, die mir das Herz gebrochen haben, in Wirklichkeit Erinnerungen in mir waren. Als ich diese Wahrheit akzeptierte, fühlte ich mich etwas freier.
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